1. August Rede in Amriswil

1. August Rede in Amriswil

1. August Rede

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident Geschätzte Stadträtinnen und Stadträte

Liebe Bevölkerung und Festgemeinde

Einleitung

Vor langer Zeit habe ich damit angefangen, jedes Jahr auf einen Zettel meine Ziele und Wünsche aufzuschreiben. Diesen Zettel verstaue ich jeweils in einer Schublade und nach Jahresablauf hole ich den Zettel heraus und schaue, welche Ziele ich erreicht habe.

Vor ca. einem Jahr war es wieder so weit und ich freute mich, neue Gedanken auf Papier zu bringen. Letztes Jahr wagte ich mich, einen Punkt zu notieren, den ich bis dahin eher als Traum ansah, da man diesen weder mit einer Bewerbung, noch mit einer gewissen Leistung erreichen konnte. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, welchen Weg ich einschlagen soll, um diesen Traum zu verwirklichen. Im Sommer vergangenen Jahres schrieb ich unter anderem den Wunsch auf: Im Jahr 2016 werde ich eine erste August Rede halten.

Liebe Bürgerinnen und liebe Bürger, heute haben wir uns zusammen gefunden, um den 725 Geburtstag der Schweiz zu feiern. Es freut und ehrt mich sehr, dass ich in meiner Heimat im Thurgau vor Ihnen stehen darf und heute für mich ein grosser Traum in Erfüllung geht. Vielen herzlichen Dank dafür! Mein Name ist Nazmije Ismaili, ich bin 27 Jahre alt und zähle mich damit noch zur jüngeren Generation, bin stolze Thurgauerin sowie Schweizerin und ich engagiere mich politisch seit ein paar Jahren für urschweizerisch liberale Werte.

Unsere Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern haben in den vergangenen Jahrhunderten Enormes geleistet. Ihnen verdanken wir, dass wir weltweit ein äusserst positives Ansehen geniessen dürfen. Dank ihnen stehen wir heute hier und dürfen stolz darauf sein, was von ihnen geleistet wurde. Ein kleines Beispiel ist unser Gotthardtunnel – eines von vielen Jahrhundert- und Generationenwerken.

Das Alles gehört zu uns und zeichnet uns Schweizerinnen und Schweizer und die Schweiz aus.

Einen Punkt, den ich detaillierter anschauen möchte, ist die Zukunft in der Schweiz. Welchen Traum haben wir im Thurgau, in der Schweiz?

Fakt ist, dass wir uns nicht auf unseren Wohlstand ausruhen können, sondern in die Zukunft schauen müssen, denn diese ist nicht vorgeschrieben. Wir müssen hart arbeiten, so wie dies unsere Eltern und Grosseltern gemacht haben. Auch dies ist eine Eigenschaft, die uns auszeichnet. Wir brauchen weiterhin gute Rahmenbedingungen und es dürfen nicht Vorschriften und insbesondere Verbote geschaffen werden, wo keine notwendig sind. Die bestehenden Gesetze sollen periodisch überprüft werden und wenn möglich aufgehoben oder revidiert werden. In jedem Fall sollte aber auch eine gewisse Skepsis vorhanden sein, wenn wieder Initiativen lanciert werden und sich Experten oder Interessevertreter dafür oder dagegen äussern. Dass man sich selber darüber informiert und sich über eine Thematik eine Meinung bildet, finde ich sehr wichtig, denn Selbstverantwortung ist eine wichtige Eigenschaft und wird in unserer Gesellschaft gross geschrieben.

In den Nachrichten sowie aus den Zeitungen ist zu entnehmen, dass die Schweiz vor grossen Herausforderungen steht.

Auch ich stelle mir Fragen für die Zukunft:

– Wird meine jüngere Generation eine Rente erhalten, wenn wir im Pensionsalter sind? Wie können wir dieses System aufrecht erhalten? Wie hoch wird dann das Rentenalter sein oder gibt es überhaupt noch ein fixes Pensionsalter?

-Werden wir weitere Steuererhöhung hinnehmen müssen, weil die Gesundheitskosten explodieren oder bekommen wir die Kosten in den Griff, vielleicht durch mehr Selbstverantwortung, d.h. nicht wegen jeder Erkältung zum Arzt gehen oder evtl. durch effizientere Spitalplanung?

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1. August Rede 2016 von Nazmije Ismaili

-Wie viele Asylsuchende kann die Schweiz aufnehmen? Und wie entwickelt sich die Integration der Personen mit Migrationshintergrund? Schaffen wir es, den Immigranten unsere urschweizerischen Werte weiterzugeben, so wie auch ich diese vermittelt bekommen habe?

Das sind alles Fragen, die wir in der Zukunft gemeinsam angehen und beantworten müssen, damit unsere Träume in Erfüllung gehen und die Zukunft nicht zum Albtraum wird.

Mit diesen Zeilen, liebe Bürgerinnen und Bürger, möchte ich v.a. auch die junge Generation ansprechen. Haben Sie nicht alle schon mal diese Attribute im Bezug auf die junge Generation gehört: “Früher war alles besser”. Was hat diese Aussage auf sich?

Es ist bekannt, dass die junge Generation gerne an die Gegenwart denkt, nicht viele Gedanken an die Zukunft verliert und die Vergangenheit ausblendet. Es ist auch bequemer sich nicht mit der Zukunft auseinander zu setzten, denn an manchen Tagen sind wir wirklich beschäftigt: In unserer Freizeit machen wir Sport, chillen gerne, erleben Neues, Gamen oder sind auf Social Media.

Aussagen, die unser Leben prägen: Mal schauen wie es kommt, ich chill eine Runde, ich mache mir jetzt keinen Stress, easy-pisii, hängs mol, Yolo, oder das bekannte Hashtag-Fieber als Bildkommentar. Heute würde dazu Folgendes passen: 1. August#SwissBirthday#bidelüt#havingfun

Früher hat die Jugend mehr demonstriert und mehr an das Gemeinwohl gedacht. Vieles war strukturierter im Bezug auf verschiedene Aspekte zum Beispiels Geschlecht, Beruf der Eltern, Wertewandel, Moralvorstellungen oder die Kirche. Man hatte nicht so viele Möglichkeiten wie heute. Die Jugendzeit unserer Eltern können wir, so schätze ich mal, nicht mit unserer Zeit vergleichen.

Und vieles hat sich verändert:

  • Die Technologieentwicklung der Medien und die Informationsmöglichkeiten: Innert Minuten können wir Informationen holen, uns mit Personen von überall auf der Welt verbinden. Seit ein paar Wochen ist es sogar möglich Pokemons auf den Strassen zu fangen. Sollte jemand nicht wissen, was ich damit meine, dann fragt eure Junioren.
  • Die immer höher werdenden Bildungsanforderungen, da Bildung unsere wertvollste Ressource ist. Die Schweiz ist je länger je mehr in europäische und globale Zusammenhänge eingebunden.
  • Die Bedeutung der Familien: Das Familienleben ist heutzutage zweitrangig. Es gibt immer mehr Auflösungen von sozialen Bindungen im Familienleben und wo früher noch für ein Versprechen gekämpft wurde, trennen sich heute die Wege definitiv schneller.
  • Der Wunsch nach Individualisierung hat einen grossen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Wir wollen etwas Einzigartiges erleben, uns entfalten oder Grenzen überschreiten zum Beispiel durch spezielle FreizeitaktivitätenDie heutige Zeit bedeutet dem Wettbewerb ausgesetzt zu sein, immer mehr zu wissen, immer mehr zu lernen, immer höhere Ziele zu erreichen, in jeder Hinsicht Vollgas zu geben und wie unsere Lieblingsstars auszusehen. Es gilt aber zu erwähnen, dass sich nicht nur die Jungend, sondern die Gesellschaft verändert hat und die Jugend ganz einfach entsprechend mitentwickelt hat.Die Aussage, welche ich am Anfang in den Raum geworfen haben „früher war alles besser“ möchte ich relativieren und viel lieber sagen: „früher war alles anders“.Damit will ich aussprechen, wie wichtig es ist, dass wir uns für die Zukunft engagieren, für das zu kämpfen, was uns gehört,
    uns über das zu informieren, was uns betrifft,
    die Verantwortung für das übernehmen, was wir sind.Wir brauchen auch das Engagement der jungen Generation. Jugendliche, die mit anpacken, sich mit den Herausforderungen der Schweiz auseinandersetzen und gewillt sind, auch mal auf die Strassen zu gehen, Unterschriften zu sammeln oder vielleicht ein ehrenamtliches Amt auszuüben?Ich kann Ihnen aus persönlicher Erfahrung bestätigen, dass das sehr wertvolle Erfahrungen sind, die man mit Geld nicht kaufen kann. Oft höre ich junge Leute, die sich beklagen, wie schlecht dieses oder jenes ist. Wenn es aber nur schon darum geht, abzustimmen, dann fehlt ihnen plötzlich die Zeit. Das finde ich natürlich sehr schade, denn wenn wir schon die Möglichkeit haben mitzubestimmen, wieso sollen wir diese nicht nutzten?Wer wird es dann tun, wenn nicht wir?

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1. August 2016 in Amriswil von Nazmije Ismaili

Es stehen uns alle Türen offen. Wir können selber entscheiden, wie wir leben wollen und wo wir leben wollen. Ich persönlich habe mich entschieden, im Thurgau zu leben.

In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Eindrücke, über den von uns allen geliebten Thurgau schildern und wie ich das Leben als junge Thurgauer, geboren und aufgewachsen in Arbon, empfinde.

Und weil ich in meiner Freizeit gerne ab und zu Gedichte schreibe, versuche ich es mal in Reimform:

So weit unser Thurgau

Der Glanz des Bodensees auf schöne Weise höre ich den weiten Wellen zu
und lass mich entführen auf dieser Reise

denn hier verfliegt die Zeit wie im Nu

Die Wohnlage ist optimal. Im Thurgau findet man Hügellandschaften, kilometerlange Bodenseeufer, Weiher, Flüsse und Häfen.

Unser Thurgau ein Urlaubsort
Mit dem Velo kommen sie her
Ist man mal hier, will man kaum fort der Thurgi-Most schmeckt allen sehr

Unser Thurgau gilt als Urlaubsort. Wenn ich in meinen Ferien nicht wegfahre, dann bleibe ich sehr gerne hier. Denn unser Kanton hat vieles zu bieten: verschiedene Wanderrouten, Museen, Klöster, Kirchen, die WEGA und gute Verkehrsanschlüsse. Bekannt sind wir für den feinsten Most auf der Welt. In erster Linie wird der Thurgau mit dem Apfelsaft in Verbindung gebracht.

Von unten her schau ich dir zu

Im Sonnenlicht sehe ich dich mächtig

Den Säntis besteige ich im Wanderschuh

Erschaffen durch Gottes Natur so prächtig

Der Säntis ist ein wichtiger Teil von uns, obwohl er nicht im Thurgau steht. Das Alpenpanorama ist ein unbeschreiblich schöner Anblick, den wir jeden Tag geniessen dürfen.

In Gedanken versunken, dem Alltag entweicht Bei der Abenddämmerung komme ich zur Ruh Und fühle ich mich, zumal ganz leicht
schön ist es hier, oh Thurgau du

Ein guter Ort, um sich Gedanken zu machen. Dies ist jedoch nicht alles. Neben schönen Landschaften und Vogelgezwitscher gilt der Thurgau als attraktiver Wohnort. Wir haben einigermassen tiefe Steuern, günstige Bodenpreise, eine tiefe Arbeitslosenquote und die Fachhochschulen und Universitäten sind ganz in der Nähe.

Vom Säntis hin zum Bodensee
Sehr weit ist unser Thurgauerland
Bin ich fort fühle ich Heimweh
Tief verbunden in unserem Band 
Zusammengefasst möchte ich folgendes sagen:

Die Zeit verfliegt schneller als wir denken. Wir dürfen die Zukunft nicht aus den Augen lassen, denn diese wird kommen, gewollt oder ungewollt. Auch ich möchte, dass in hundert Jahren unsere Nachkommen zurückblicken und sich für uns nicht genieren müssen, sondern stolz auf das sind, was wir weiter aufgebaut haben. Für unsere Zukunft sind wir gemeinsam verantwortlich. Die junge und ältere Generation müssen Hand in Hand gehen, denn voneinander können wir profitieren und lernen

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1. August Rede 2016 von Nazmije Ismaili

und der Lernprozess wird niemals enden. Ältere Generationen setzen die Rahmenbedingungen, wie die Lebensphasen der Jugend gestaltet werden können.

Wir haben die Möglichkeit in der Schweiz etwas zu verändern, wenn wir das wollen. Unseren gemeinsamen Traum von einer noch besseren Schweiz Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir dürfen uns als privilegiert ansehen in dieser Schweiz leben zu dürfen. Stolz kann ich sagen,

  • in unserer Schweiz, wo Demokratie als oberste Maxime gilt und jeder Schweizer Bürger das Recht hat, wählen zu gehen. Bewusst sage ich “das Recht hat, wählen zu gehen”, denn es gibt Länder, wo dies nicht selbstverständlich ist
  • In unserer Schweiz, wo Meinungsfreiheit herrscht
  • und in unserer Schweiz mit der besten Schokolade der Welt und mit den schönsten Bergen und SeenEs ist unsere Schweiz, die so einzigartig ist, wie nichts anderes auf dieser Welt und die wir hegen und pflegen müssen. Die Reise dürfen wir gemeinsam weiterführen. Ich habe mir von einem guten Freund der Familie lehren lassen, dass das Leben ein Geben und Nehmen ist. Packen wir es miteinander an.Geschätzte Damen und Herren, herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und von Herzen wünsche ich Ihnen einen schönen 1. August.

One Response

  1. Peter sagt:

    Wow ☺️ Gut gemacht. Danke für diese Rede. (Wusste ich garnicht)
    Grüsse aus Zürich

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