Die Zukunft der FDP Schweiz

Die Zukunft der FDP Schweiz

Geschätzte Freisinnige 

Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen und freue mich sehr, heute hier zu stehen und an dieser Jubiläumsfeier über die Zukunft der FDP zu sprechen. Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich angefragt wurde war, inwiefern kann ich oder darf ich Prognosen über die Zukunft der FDP machen. Ich denke wir sind uns alle einig, dass ich nicht prognostizieren werde, wie sich die FDP in ein paar Jahren entwickeln wird, denn die Zukunft ist ungewiss. 

Perikles, ein Staatsmann aus Athen hat mal gesagt: «Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“ Das habe ich mir als Präsidentin der Jungfreisinnigen des Kantons TG zu Herzen genommen. Ich möchte gerüstet sein auf Themen, die da kommen. Heute möchte ich mögliche Handlungsfelder – gar Thesen – nennen, die die Zukunft prägen werden und die wir meines Erachtens nicht ausser Acht lassen dürfen. 

Wir haben es vorher gehört – die Schweiz ist ein Erfolgsmodell. Wir dürfen stolz sein auf unsere Schweiz, denn sie zeichnet sich aus durch hohes Qualitätsbewusstsein, durch eigenverantwortliches Handeln, durch gute Bildung und Forschung und durch eine vorbildliche Demokratie. Dazu hat auch – oder gerade – die FDP einen wichtigen Beitrag geleistet. Wir dürfen auf die FDP – auf unsere FDP – stolz sein. 

Was aber bringt die Zukunft und wo steht die Schweiz in 10, 20 oder 30 Jahren? Und welche Rolle wird die FDP darin einnehmen? Heute möchte ich dazu zwei Themen mit Ihnen näher anschauen. Zum einen die Frage, 

  • welche Herausforderungen auf uns zukommen werden und zum anderen 
  • wie wir es schaffen, die junge Generation für die FDP oder generell für die Politik zu begeistern? 

«Beide Themen sind essentiell für die Zukunft. Ich bin aber auch klar der Meinung, dass wir die Zukunft nur dann erfolgreich meistern, wenn in der Gesellschaft auch die Meinung der Jungen in die Entscheidungsfindung einbezogen wird. Nur dann wird es möglich sein, für die Zukunft und für die Gesellschaft passende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ich nehme jetzt schon vorweg: Ich bin 29 Jahre alt und habe mich entschieden, dass ich meine Zukunft selbst mitgestalte, denn es geht um meine Zukunft. Ich will an dieser Stelle unterstreichen, dass jeder der nicht wählen geht, die Gestaltung der eigenen Zukunft den anderen überlässt. Aber wer sind die anderen? Grösstenteils sind es ältere BürgerInnen, die wählen gehen. Und verstehen sie mich bitte nicht falsch, denn unsere Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern haben in den vergangenen Jahren Enormes geleistet. Ihnen verdanken wir, dass wir weltweit ein positives Ansehen haben und die Schweiz als Erfolgsmodell ehren dürfen. Doch die Zeit verändert die Gesellschaft und die FDP steht vor vielen Herausforderungen. 

Ich komme zum ersten Thema: Welche Herausforderungen kommen auf uns zu?

Ich finde es enorm wichtig, dass wir uns alle – ich meine damit wirklich alle Generationen – als FDP engagieren, um gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Schweiz weiterhin ein Erfolgsmodell bleibt. Dazu stehen Herausforderungen in verschiedenen Bereichen, die wir gemeinsam meistern müssen. Heute möchte ich aber speziell auf zwei für mich wichtige Themen eingehen und zwar «Vereinbarkeit von Familie und Beruf» und die «Digitalisierung».

(Vereinbarkeit von Familie und Beruf)

Grad kürzlich erzählte mir eine Parteikollegin, die Kinder im Primarschulalter hat, dass sie sich die letzten Jahre nicht aktiv um die Politik kümmern konnte. Schon die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei enorm anspruchsvoll. Wie soll man sich da noch politischen Aufgaben widmen können? 

Das wird wohl einer der Hauptgründe sein, wieso viele Berufsfrauen mit Familie sich politisch nicht engagieren können. Frauen sollen die gleichen Chancen erhalten wie Männer. Ich denke, wir müssen ganz einfach auch den Mut haben, neu zu denken – genau so, wie es die Wirtschaft auch macht. Wir müssen vermehrt neue Technologien einsetzen, mobile Arbeitsplätze und Arbeitsformen, aber auch flexible Teilzeitmodelle fördern. Das sind nur ein paar Beispiele. 

Die Strukturen in der Arbeitswelt sind aber grösstenteils immer noch starr wie vor Jahren. Vieles hat sich leider noch nicht verändert. Es hat sich nur verändert, dass wir heutzutage mehr Krippenplätzehaben und das eine oder andere Coworking gegründet wurde. Wenn die Frauen aber aus dem Arbeitsleben gehen, dann verlieren wir wichtige Arbeitskräfte und sehr viel Know-how, was auch betriebswirtschaftliche Folgen mit sich bringt. Wir verlieren sie nicht nur aus der Arbeitswelt. Sie sind auch nicht bereit, daneben noch politische Aufgaben zu übernehmen – denn es wäre auf Kosten der Familienzeit

Wir brauchen somit passende Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt sowie in der Politik. Was, wenn wir als zukunftsgerichtete Partei den ersten Schritt wagen und mit der Überarbeitung unserer Engagementsstruktur starten. Ein konkretes Beispiel wäre: in Form von Projekten zu arbeiten. In diesem Fall könnten wir gezielt Leute für ein bestimmtes Projekt suchen. Damit sprechen wir für ein bestimmtes Vorhaben weit über den Mitgliederkereis hinaus Leute an. Die FDP spricht jetzt schon davon, eine Bewegung zu sein und das ist m.E. der richtige Weg. Dieses Modell funktioniert in Vereinen zum Teil schon sehr gut. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre, dass wir an politischen Sitzungen die Möglichkeit haben, uns per Telefonkonferenz einzuschalten. Diese Form hat sich nicht nur im Arbeitsleben bewährt, sondern auch bei uns Jungfreisinnigen im Thurgau. Dadurch sparen wir viel Zeit und müssen nicht von A nach B fahren, um an Sitzungen teilzunehmen.  

(Digitalisierung)

Ich komme zur zweiten Herausforderung, die ich vertiefen möchte, die Digitalisierung. Fakt ist, dass wir mitten in der vierten industriellen Revolution stehen und die Digitalisierung nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Welt verändert. Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Die einen Firmen packen die damit verbundenen Chancen, andere verschliessen sich noch davon.  Roboter werden als die grössten Konkurrenten des Menschen angeschaut. In gewisser Weise kann ich nachvollziehen, dass manch einer oder eine sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, um ihre Daten oder Privatsphäre macht, weil alles noch in den Sternen steht und wir nicht genau wissen, was effektiv auf uns zukommt. 

Auf der anderen Seite müssen wir aber erkennen, dass neue Technologien – aber auch neue Konsumationsverhalten – längst Einzug genommen haben. Ein aktuelles Beispiel, welches Sie alle kennen ist Uber. Ich bin der Meinung, dass solche Änderungen unsere Gesellschaft im Moment noch überfordern. Politiker sprechen über weitere Regulierungen für Uber, damit die Taxibranche nicht ausstirbt. Doch diese Modelle wie Uber sind die Zukunft und ein Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Der Sharing Gedanke bringt ökonomische Vorteile, bessere Ressourcennutzung oder auch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen

Die FDP soll Antworten auf die digitale Schweiz finden und Neuerungen gegenüber offen sein. Wir sehen die Digitalisierung als Chance, die neue Möglichkeiten schafft und auch neue Berufsbilder kreiert. Die FDP als innovative und fortschrittliche Partei fordert neue Denkweisen. Ein zukunftsgerichtetes Denken, welches für uns wichtig ist, damit wir die Weichen stellen können. 

Ich komme zum zweiten Thema, nämlich zur Frage, wie wir es schaffen, die junge Generation für die FDP oder generell für die Politik zu begeistern? 

Unter junge Generation verstehe ich die Generation Y und Z d.h. Personen im Alter von 19 bis 40 Jahre. Es ist wichtig, dass die ältere Generation versteht, dass die Generation Y und Z eine andere Prägung hat. Sie wachsen in einer digitalisierten und globalisierten Welt auf und diese Umstände prägen eine neue Normalität. Diese Normalität hinterfragen die jungen Erwachsenen nicht, weil sie ein davor nicht kennen. 

Jung und Alt müssen die Wege miteinander gehen, denn nur voneinander können sie profitieren. Die Ideen der Jungen können angereichert werden mit den Erfahrungen der älteren Generationen. Man hört immer wieder Aussagen, dass die Jungen «politisch nicht interessiert seien», doch diese Aussage kann ich so nicht bestätigen. Sie sind an politischen Geschehnissen interessiert, aber eben anders. Dass sie sich auf klassische Weise nicht engagieren wollen oder nicht an stundenlangen Vorstandssitzungen teilenehmen möchten, hat damit zu tun, dass schon in jungen Jahren Vieles von ihnen verlangt wird. 

Die Zeit fehlt ihnen. Die Bildungsanforderungen werden immer höher. Auch die Informationsmöglichkeiten benötigen Zeit, denn sie tauschen sich mit Menschen von überall auf der Welt aus. Die junge Generation ist geprägt von Wettbewerb und erfolgreich sein im Job oder Studium. Die Zeitpläne sind eng, aber auch Freizeitaktivitäten sind wichtig. 

Kurzum gesagt, hat sich nicht die Jugend, sondern die Gesellschaft verändert. Das sind alles Prägungen, die beachtete werden müssen, wenn wir die Jungen in die Politik einbinden möchte. Und auch hier darf das Überdenken der Engagementsstruktur nicht ausser Acht gelassen werden. Die Generation Y und Z ist aber auch gefordert, die Älteren mit ihren Erfahrungen und Prägungen zu akzeptieren. Die Zukunft fordert nicht nur einen Dialog zwischen Jung und Alt, sondern auch die Einsicht, dass die Jungen nachrücken und ihre Zukunft gestalten müssen. Auch haben sich die Rollen getauscht und die Älteren können von den Jungen lernen, während sie vermehrt den Jungen auch als Coach zur Seite stehen müssen. 

Schlussteil 

Abschliessend möchte ich sagen, dass die Zukunft sicherlich auch von grosser Unsicherheit geprägt sein wird. Es ergeben sich dadurch aber auch etliche Chancen. Änderungen bedingen, dass wir unsere Komfortzone verlassen müssen, dass wir gleichzeitig aber auch unseren Horizont erweitern. Dabei stellt sich immer die Frage, wie wir der Veränderung begegnen. Was mich besonders freut: Wir Freisinnigen sind mutig, wir wagen Neues und stehen der Veränderung offen und positiv gegenüber. Wir packen die Chancen!

Gerne nehme ich an dieser Stelle Samuel Lanzs Wortlaut auf: als FDP wollen wir uns so positionieren, dass wir nicht mehr die Mitte Partei zwischen SP und SVP sind, sondern der innovative Pool in der Politik, also nicht links, nicht rechts, sondern als dritter Pool innovativ und fortschrittlich. Gemeinsam gestalten wir die Schweiz. Die Digitalisierung und die vorher genannten Herausforderungen bieten uns hierfür eine gute Plattform, um innovative Rahmenbedingungen zu schaffen und als fortschrittliche Partei wahrgenommen zu werden.  

Wir brauchen auch das Engagement der jungen Leute, ihre Meinung, ihr Wissen und ihre Ideen. Denn die Zukunft gehört ihnen. Gemeinsam, Jung und Alt, wollen wir weiterhin für eine starke und erfolgreiche Schweiz kämpfen und unseren Erfolgsmodell erhalten. Das heisst aber auch, dass wir unsere Tradition und unsere Werte verteidigen. Nur wenn wir die Herausforderungen der Zukunft annehmen und gemeinsam wirken, können wir unsere Ziele erfolgreich erreichen.

Ich bin stolz darauf, seit 2013 der FDP Familie anzugehören und mich zu den Freisinnigen zu zählen, denn jeder Einzelne von uns leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass die FDP – und auch die Schweiz – zu dem geworden ist, was sie heute ist. In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen wunderschönen Abend, einen guten Appetit und freue mich heute Abend noch weitere Freisinnige kennen zu lernen.   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.